Elizabeth Anscombe
1919 - 2001
Elizabeth Anscombe ist keine klassische Gelehrte im engen Sinne, aber sie war eine der beeindruckendsten Philosophinnen des zwanzigsten Jahrhunderts und eine der Figuren, die maßgeblich dafür verantwortlich waren, die moderne Moralphilosophie daran zu erinnern, dass Menschen nicht bloß Regelbefolger oder Präferenzmaschinen sind. Ihr inzwischen berühmter Aufsatz von 1958 „Moderne Moralphilosophie“ lobte nicht einfach Aristoteles. Er vollzog etwas Härteres und Diagnostisches: Er entblößte die Leere vieler zeitgenössischer ethischer Sprache, sobald sie von den älteren Fragen nach Charakter, Zweck und menschlichem Gedeihen losgelöst wurde. Sie argumentierte, dass Begriffe wie „sollte“ und „Verpflichtung“ in einer Kultur philosophisch entglitten waren, die sie weiterhin verwendete, ohne an den gesetzgebenden Rahmen zu glauben, der sie einst verständlich gemacht hatte.
Diese Diagnose offenbart etwas Zentrales über Anscombe selbst. Sie war keine versöhnliche Denkerin. Sie trat der Philosophie mit einer Art moralischem Stahl gegenüber, als ob intellektuelle Verwirrung nicht nur ein Fehler, sondern ein Symptom tieferer Störungen wäre. Sie hatte wenig Geduld für das, was sie als sentimentalen Liberalismus, moralische Unklarheit oder die Selbstwichtigkeit moderner ethischer Systeme ansah, die vorgaben, objektiv zu sein, während sie Annahmen über das menschliche Leben heimlich einschmuggelten. Ihre Anziehung zu Aristoteles war daher nicht antiquarisch. Sie war forensisch. Sie suchte nach der verlorenen Grammatik des Handelns, einer, die erklären konnte, warum ein Leben in einem substanziellen Sinne als gut oder schlecht bezeichnet werden kann. In diesem Sinne half sie, die Eudaimonia als lebendiges philosophisches Thema wieder zu eröffnen, anstatt sie zu einem Museumsstück zu machen.
Aber Anscombes Denken war nie nur akademische Rekonstruktion. Es war von Überzeugung getrieben, und Überzeugung kann sowohl klärend als auch kostspielig sein. Sie war eine gläubige römisch-katholische Christin, und ihre moralische Ernsthaftigkeit war untrennbar mit ihren religiösen Verpflichtungen verbunden. Dies verlieh ihrer Philosophie ihre Kraft, aber auch ihren scharfen Rand: Sie beurteilte die moderne ethische Kultur oft nicht nur als falsch, sondern als spirituell erschöpft. Diese Haltung brachte ihr Bewunderer ein, entfremdete aber auch andere. Sie konnte kompromisslos bis zur Strenge sein, insbesondere in Fragen der Sexualethik, des Krieges und der Abtreibung. Ihre öffentliche Persona als rigorose moralische Realistin war keine Aufführung; sie war eine Disziplin. Doch diese Disziplin konnte sich zu einer Weigerung verhärten, Kompromisse einzugehen, selbst wenn ein Kompromiss echten menschlichen Schaden hätte mildern können.
Ihr Einfluss auf die spätere Tugendethik war enorm, aber dieser Einfluss kam durch Kritik und nicht durch Konstruktion. Sie baute kein ordentliches neues System; sie machte alte Gewissheiten instabil. Dabei schuf sie Raum für Philosophen, erneut zu fragen, welche Art von Mensch man werden sollte, nicht nur, welchen Regeln man gehorchen sollte. Der Preis für diese Klarheit war, dass ihr Werk manchmal als nüchtern, sogar unbarmherzig erschien, für diejenigen, die sich eine menschlichere Tonalität der Ethik wünschten. Aber Anscombe misstraute moralischer Weichheit, wenn sie intellektuelle Faulheit verschleierte.
Die tiefere Ironie ihres Erbes ist, dass sie das Gedeihen wieder denkbar machte, indem sie auf die Strenge der Wahrheit bestand. Sie half zu zeigen, dass Ethik nicht auf Verfahren reduziert werden kann, doch ihr eigenes moralisches Leben konnte in einer Weise starr erscheinen, die echten Druck auf die modernen Leser ausübte, die sie zu korrigieren hoffte. Dennoch ist das Teil ihrer Bedeutung. Sie war keine tröstende Philosophin. Sie war eine Diagnostikerin moralischer Verwirrung, und die Strenge ihrer Diagnose bleibt ein Grund, warum ihr Werk weiterhin beunruhigt und von Bedeutung ist.
