G. A. Cohen
1941 - 2009
Gerald Allan Cohen wurde zu einem der formidablesten Kritiker von Robert Nozick, weil er verstand, dass die tiefste Verteidigung von Ungleichheit oft nicht Gier, sondern eine moralische Erzählung ist. Nozick hatte das Konzept des Selbstbesitzes als Schutzschild formuliert: Wenn Menschen sich selbst gehören, hat der Staat kein Recht, ihre Arbeit oder deren Produkte zur Umverteilung zu beschlagnahmen. Cohen erkannte die psychologische Eleganz dieses Arguments, sah jedoch auch seine Ausweichmanöver. Es behandelte Talent, als wäre es am Geburtsort verdient. Es ließ Kontingenz wie Verdienst erscheinen.
Cohens großer intellektueller Schritt bestand darin, den Libertarismus seiner Unschuldsaura zu entkleiden. Er drang auf die Tatsache, dass Menschen ihre Begabungen, ihre soziale Position oder die Ausgangsbedingungen, die ihre Entscheidungen sinnvoll machen, nicht wählen. Wenn die Gaben einer Person moralisch willkürlich sind, dann können die Belohnungen des Marktes nicht einfach als ein reiner Ausdruck von Gerechtigkeit gelesen werden. Seine Kritik war nicht nur, dass der Kapitalismus hart ist, sondern dass der Libertarismus Härte als moralische Reinheit verkleidet. Er stellte immer wieder die Frage, was Selbstbesitz wirklich bedeutet, wenn man einmal zugibt, dass das Selbst selbst durch Glück geformt wird.
Was seiner Herausforderung Kraft verlieh, war, dass sie aus dem Inneren der eigenen Disziplin der analytischen Philosophie kam. Cohen schrieb nicht als Revolutionär, der das System von außen anprangerte; er schrieb als jemand, der wusste, wie man die konzeptionelle Maschinerie bewohnt und zeigt, wo sie klemmt. In diesem Sinne war er ein geduldiger Anatom. Er sezierte die Kluft zwischen rechtlichen Rechten und moralischen Ansprüchen, zwischen dem, was man tun darf, und dem, was eine Rechtfertigung für das Tun ist. Diese Unterscheidung erlaubte es ihm zu argumentieren, dass selbst wenn Menschen sich selbst gehören, sie daher nicht jedes Ergebnis der sozialen Lotterie, die sie begünstigt hat, besitzen.
Doch Cohens eigene Position trug eine Spannung in sich, die ihn unvergesslich machte. Er war ein scharfer Kritiker selbstinteressierter Verdienstansprüche, aber seine Kritik verlangte eine Art persönliche Askese von den Bessergestellten, die das gewöhnliche politische Leben selten aufrechterhält. Er forderte die Menschen auf, Talent nicht als privaten Besitz, sondern als eine gemeinsame Tatsache mit sozialen Implikationen zu betrachten. Das war moralisch kraftvoll, bedeutete jedoch auch, dass seine Philosophie ein anspruchsvolles Gewissen auf individuelle Bestrebungen auferlegte. Die Kosten seines Arguments waren nicht nur politisch; sie waren existenziell. Es forderte die Begabten auf, sich weniger berechtigt zu fühlen, ihre Gaben zu besitzen.
In der Öffentlichkeit trat Cohen oft als der strenge egalitäre Logiker auf, unerbittlich in seinen Argumenten und unwillig, die Freiheit zu schmeicheln, wenn die Freiheit der Ungleichheit diente. Aber die Ernsthaftigkeit hatte ihren Preis. Seine Philosophie kehrte immer wieder zu der Idee zurück, dass Gerechtigkeit mehr erfordert als Nicht-Interferenz; sie erfordert Solidarität mit denen, deren Leben von Pech geprägt ist. Das ist eine harte Doktrin, nach der man leben kann, denn sie verlangt, dass Privileg nicht als Unschuld, sondern als Verantwortung behandelt wird. Cohens Vermächtnis ist, dass er Nozicks Verteidigung des Selbstbesitzes weniger wie eine endgültige Antwort erscheinen ließ, sondern vielmehr wie einen moralisch aufschlussreichen Ausgangspunkt in einem größeren Streit über Freiheit, Fairness und die verborgenen Lasten innerhalb des Vorteils.
