Der erste und hartnäckigste Einwand ist offensichtlich: Wenn zwei Optionen genau gleich sind, warum muss ein rationaler Agent dann bewegungslos bleiben? Kritiker haben lange vermutet, dass der hungernde Esel eine Vereinfachung des Philosophen ist, anstatt eine echte psychologische Möglichkeit. Im gewöhnlichen Leben ist Symmetrie selten, und selbst scheinbare Symmetrie verbirgt Unterschiede in Stimmung, Erinnerung, Erwartung, Gewohnheit oder körperlichem Zustand. Der Einwand ist nicht trivial, denn wenn perfekte Gleichheit nie vorkommt, könnte der Fall ein Artefakt sein, das wenig über tatsächliche Entscheidungen aussagt. Die Szene ist so klar, so frei von Kontingenz, dass sie weniger wie eine Beschreibung des Entscheidungsprozesses aussieht als wie ein Diagramm davon.
Dennoch überlebt die Kraft des Beispiels gerade, weil es idealisiert. Philosophen isolieren oft einen Extremfall, um ein verborgenes Engagement zu offenbaren. Hier besteht das Engagement in einer Theorie der Gründe als Entscheidungsträger. Wenn man sagt, dass rationales Handeln immer dem stärksten Grund folgt, was passiert dann, wenn es keinen stärksten Grund gibt? Den Fall als unrealistisch abzutun, bedeutet zuzugeben, dass Gründe allein nicht alles entscheiden können. Diese Zugeständnis kann gemacht werden, aber es ist dennoch ein Zugeständnis. Der Punkt ist nicht, dass tatsächliche Esel regelmäßig identische Heuballen in identischen Abständen bei identischem Wetter gegenüberstehen. Es ist vielmehr, dass eine Theorie der Wahl sagen muss, was passiert, wenn die gewöhnlichen Stützen der Präferenz fehlen.
Eine zweite Kritiklinie kommt aus der entgegengesetzten Richtung. Wenn der Wille ohne Grund wählen kann, was unterscheidet dann die freie Wahl von Zufälligkeit? Spätere Leser, insbesondere in der frühen Neuzeit, sorgten sich, dass eine solche Freiheit wie verkleideter Zufall erscheinen würde. Eine Entscheidung, die aus keinem unterscheidenden Grund hervorgeht, scheint unverständlich, und Unverständlichkeit kann in der Philosophie teuer werden. Sie droht, die Verantwortung zu verschleiern, denn wenn nichts erklärt, warum eine Option und nicht eine andere gewählt wurde, verlieren Lob und Tadel ihren Halt. Die moralischen Einsätze sind hoch: Eine Person, die nicht gesagt werden kann, dass sie aus irgendeinem Grund gewählt hat, kann zwar handeln, aber die Bedeutung dieser Handlung wird schwer zu erfassen.
Thomas von Aquin bietet hier einen wichtigen Kontrast, selbst wenn die mittelalterliche Landschaft vielfältiger ist, als es die klaren Lehrbuchgegensätze vermuten lassen. Nach vielen Standardinterpretationen erlaubt Aquin Freiheit durch vernunftgemäße Selbstbewegung, aber er ist weniger bereit als Buridan, den Willen in einem reinen Gleichgewicht von Alternativen stehen zu lassen. Der praktische Intellekt kann offen sein, aber das Handeln muss nicht unbegrenzt ausgesetzt werden. Das macht Aquin für diejenigen attraktiv, die Freiheit ohne Stillstand wollen. Es legt auch Buridans härteres Problem offen: Ein perfekt ausgewogener Wille benötigt möglicherweise eine Bewegungsquelle, die die Vernunft nicht liefern kann. Das Problem ist nicht nur akademisch. Eine Theorie, die nicht erklären kann, warum Bewegung beginnt, ist anfällig für den Vorwurf, dass sie die Überlegung, aber nicht die Entscheidung beschrieben hat.
Ein weiterer wichtiger Kritiker in der langen Debatte ist Duns Scotus, dessen Darstellung des Willens seine Fähigkeit zur Selbstbestimmung betont, auf eine Weise, die Freiheit ohne einfache Notwendigkeit zu unterstützen scheint. Aber Scotus und Buridan sind keine Spiegel; ihre Vokabulare unterscheiden sich, und Gelehrte streiten über die genaue Form des Kontrasts. Was zählt, ist, dass die mittelalterlichen Diskussionen keine einheitliche Theorie der Freiheit teilten. Buridans Esel wurde einprägsam, weil er an der Bruchlinie zwischen konkurrierenden Modellen des Willens saß. Er dramatisierte in einem einzigen Bild den Druck, den eine Tradition verspürte, die sowohl Verständlichkeit als auch Freiheit bewahren wollte.
Eine überraschende Wendung in der Geschichte des Problems ist, dass einige Einwände nicht aus der Ablehnung der Freiheit kamen, sondern aus dem Versuch, die Rationalität um jeden Preis zu bewahren. Wenn der Wille sich ohne Grund neigen kann, dann hat vielleicht die rationale Erklärung ihr Limit zu früh erreicht. Aber wenn die Vernunft immer bestimmen muss, dann ist der Wille eine Marionette. Die Spannung ist somit intern im Konzept der Handlung. Das Dilemma liegt nicht zwischen Philosophie und gesundem Menschenverstand; es liegt zwischen rivalisierenden Gütern, die in unserer gewöhnlichen Vorstellung von Wahl eingebettet sind. Deshalb zog der Fall weiterhin Aufmerksamkeit auf sich, lange nachdem die mittelalterlichen Schulen ihn formuliert hatten. Er fragt nicht nur, was uns bewegt, sondern auch, welche Art von Erklärung als ausreichende Darstellung von Bewegung zählt.
Der philosophische Preis von Buridans Sichtweise ist, dass eine Person möglicherweise nicht immer weiß, warum sie so gewählt hat, wie sie es tat. Diese Undurchsichtigkeit kann für Verteidiger wie Authentizität und für Kritiker wie Gefahr erscheinen. Ein Selbst, das sich selbst bewegen kann, kann sich auch selbst überraschen. Das Ergebnis ist ein dynamischeres, aber auch weniger transparentes Wesen. Die moralische Theologie kann damit leben; viele moderne Handlungstheorien können das nicht. Sobald die Wahl zu scharf von erkennbaren Gründen getrennt wird, wird der Agent schwerer zu lesen, und die Aufgabe, Handlungen zu beurteilen – sei es im Beichtstuhl, vor Gericht oder im Gewissen – wird unsicherer.
Es gibt auch eine pädagogische Ironie. Das Bild des Esels hat das Problem berühmt gemacht, gerade weil es die Theorie ins Absurde vereinfacht. Sobald das Tier verhungert, ist die Theorie leicht zu verspotten. Doch die Karikatur kann die Ernsthaftigkeit des zugrunde liegenden Anspruchs verschleiern: Menschliche Entscheidungen erfolgen oft unter Bedingungen, unter denen die Überlegung kein Urteil mehr liefert. Das alte Problem der Akrasia, der Willensschwäche, lauert in der Nähe. Ebenso die moderne Angst, dass perfekt rationale Agenten dennoch ohne einen nicht-rationalen Anstoß nicht handeln können. Das Bild ist komisch, aber die Sorge ist es nicht. In einem Hörsaal oder einer Manuskripttradition kann der Punkt übersehen werden, weil die Geschichte so einprägsam ist; in der gelebten Erfahrung ist die Lähmung durch Unentschlossenheit weit weniger amüsant.
Die stärkste Kritik ist also nicht, dass Buridan ein albernes Beispiel brachte, sondern dass sein Beispiel eine echte Spannung offenbart, der keine Theorie vollständig entkommen kann. Wenn Gründe alles entscheiden, wird Freiheit dünn; wenn sie das nicht tun, dann erhält die Wahl ein Element, das die Vernunft nicht vollständig beherrschen kann. Der Esel ist ein Emblem dieser ungelösten Unruhe. Das Problem verschwindet nicht, indem man das Gedankenexperiment ablehnt. Es bleibt in jeder Darstellung von Handlung bestehen, die sowohl Ordnung als auch Offenheit bewahren möchte.
Am Ende der Auseinandersetzung wurde Buridans Idee sowohl geschärft als auch belastet. Die Frage ist nicht mehr, ob das hungernde Tier plausibel ist, sondern ob die Philosophie Handlung erklären kann, ohne sie entweder in Notwendigkeit zu zerfallen oder in Zufall aufzulösen. Das Feuer hat die Idee geprüft; was bleibt, ist zu sehen, wie das Problem sich entwickelt, nachdem das mittelalterliche Klassenzimmer verstummt ist. Die beständige Kraft des Kapitels liegt in diesem Druck. Buridans Esel ist nicht einfach ein Witz über Unentschlossenheit. Es ist ein komprimiertes Argument darüber, was ein rationales Wesen den Gründen schuldet und was passiert, wenn Gründe nicht mehr ausreichen.
