Lange bevor das Bewusstsein zu einem Fachbegriff der Philosophie des Geistes wurde, war es ein menschliches Dilemma: die innere Tatsache, dass Gedanken uns präsent sind, während die Welt außerhalb von uns bleibt. Die Idee begann nicht in Laboren, sondern in Überlegungen zu Traum, Illusion, Erinnerung, moralischer Verantwortung und Tod. Ein Schlafender kann sich einer Erfahrung sicher sein, auch wenn er sich über deren Ursache irrt; eine schuldige Person kann nur dann für eine Handlung verantwortlich gemacht werden, wenn es ein Selbst gibt, das sie besitzt; ein Trauernder kann fragen, wohin der Geliebte gegangen ist, und meint damit zumindest teilweise, wohin das innere Leben gegangen ist. Diese gewöhnlichen Störungen deuten bereits auf das Problem hin: Erfahrung ist dem Subjekt unmittelbar und dem Beobachter entglitten.
Die klassische Philosophie lieferte mehrere der alten Materialien, aus denen das moderne Problem später aufgebaut wurde. In Platons Dialogen ist die Seele nicht nur eine geisterhafte Substanz; sie ist der Sitz des vernünftigen Lebens, fähig, sich von den Erscheinungen abzuwenden und sich der intelligiblen Realität zuzuwenden. Aristoteles hingegen behandelt die Seele in der De Anima als die Form eines lebenden Körpers, wodurch das innere Leben untrennbar mit der biologischen Organisation verbunden wird. Doch keines der beiden Rahmenwerke isoliert das Bewusstsein so, wie es spätere Denker tun würden. Sie fragen, was die Seele ist und wie sie weiß, nicht aber, warum Erfahrung überhaupt einen gefühlten Charakter hat. Diese Lücke wird später von Bedeutung sein, denn die moderne Frage nach dem Bewusstsein entsteht genau dann, wenn die Philosophie beginnt, die mechanische Beschreibung der Natur von der Ich-Perspektive der Erfahrung zu trennen.
Der entscheidende Wandel vollzieht sich im frühneuzeitlichen Europa, wo die neue Wissenschaft zunehmend die Natur in Bezug auf Bewegung, Ausdehnung und messbare Quantität erklärt. Sobald Körper als ausgedehnte Dinge im Raum behandelt werden, wird der Platz der Empfindung rätselhaft. Galileis mathematisch diszipliniertes Universum ist mächtig, weil es der physischen Welt Farbe, Geschmack und Klang entzieht und diese Qualitäten dem Wahrnehmenden oder den Beziehungen, die den Wahrnehmenden betreffen, zuweist. Die Welt der Wissenschaft wird somit in der Tat zu einer Welt der Struktur ohne die offensichtliche Textur gelebter Erfahrung. Das ist noch kein Problem für alle, aber es schafft die Bühne, auf der das Problem unvermeidlich werden wird.
René Descartes steht an der Schwelle, weil er die Innerlichkeit philosophisch explizit macht. In den Meditationen, insbesondere in der zweiten, entdeckt er, dass, während körperliche Dinge bezweifelt werden können, die Tatsache des Denkens nicht bezweifelt werden kann: der Meditierende ist sich des Zweifelns, Bejahens, Verneinens, Wünschens und Vorstellens unmittelbar bewusst. Dies macht das Bewusstsein nicht einfach zu einem privaten Theater; es macht es zur ersten Gewissheit, von der aus Wissen beginnen muss. Die überraschende Wendung ist, dass das Selbst am sichersten wird, gerade wenn die äußere Welt am unsichersten ist. Aber diese Sicherheit hat ihren Preis: Wenn das geistige Leben direkt bekannt ist und Körper nur indirekt, wie können die beiden dann überhaupt zu einer Person gehören?
Das nächste Jahrhundert erbt diesen Bruch. John Locke macht in An Essay Concerning Human Understanding das Bewusstsein zentral für die persönliche Identität, indem er das Selbst mit Erinnerung und der Kontinuität des Bewusstseins verknüpft. Er verlagert die Aufmerksamkeit von der Substanz zur Erfahrung: Was für die Identität als dieselbe Person zählt, ist nicht derselbe Klumpen Materie, sondern dasselbe bewusste Leben. Dies war ein befreiender Schritt, weil er Verantwortung und Identität weniger metaphysisch und mehr psychologisch machte. Doch er brachte auch eine beunruhigende Perspektive mit sich: Wenn das Bewusstsein durch Erinnerung und Bewusstsein getragen werden kann, anstatt durch eine feste Seelensubstanz, dann beginnt das Selbst, weniger wie eine Essenz und mehr wie ein Ereignis auszusehen.
Gleichzeitig behandelten der britische Empirismus und später die assoziationistische Psychologie den Geist zunehmend als etwas, das aus Empfindungen, Ideen und Gewohnheiten aufgebaut ist. David Hume stellt berühmt fest, dass er bei der Introspektion kein einfaches Selbst findet, sondern nur ein Bündel von Wahrnehmungen im ständigen Fluss. Das ist ein Angriff nicht auf das Bewusstsein selbst, sondern auf die Vorstellung, dass das Bewusstsein eine stabile innere Substanz offenbart. Der Geist wird zu einem Strom anstelle eines Kerns. Für spätere Leser kann dies wie eine elegante Reduktion erscheinen; für andere ist es eine Bedrohung, denn ein Strom kann fließen, ohne dass es einen Eigentümer gibt, dem er gehört.
Im neunzehnten Jahrhundert intensiviert die physiologische Wissenschaft den Druck. Reflexe, Nerven, Wahrnehmung und Gehirnlokalisation deuten darauf hin, dass der Geist durch körperliche Prozesse erklärt werden kann. Doch dieser Erfolg macht das Residuum sichtbarer. Man kann den Sehnerv kartieren, aber damit nicht das Rot erklären, wie es erlebt wird; man kann das auditive System beschreiben, aber nicht erklären, warum eine Melodie gehört wird und nicht nur verarbeitet. Der moderne Wortschatz des Bewusstseins entsteht in dieser Spannung zwischen einer öffentlichen Wissenschaft der Funktion und einer privaten Gewissheit des Erscheinens.
Das neunzehnte Jahrhundert trägt auch eine überraschende historische Wendung bei: Das Konzept des Bewusstseins ist nicht nur philosophisch; es wird zu einer moralischen und politischen Ressource. Fragen der Handlungsmacht, Heuchelei, Gewissen und Selbstkenntnis gewinnen in einer Zeit industrieller Arbeit, urbaner Anonymität und sich entwickelnder psychologischer Wissenschaften an Dringlichkeit. Schriftsteller und Reformatoren sorgen sich um Automatismus, Gewöhnung und die Fragmentierung des inneren Lebens. Das Selbst ist nicht mehr eine transparente Gegebenheit; es ist etwas, das gefährdet ist.
Deshalb bleibt das Problem des Bewusstseins niemals rein akademisch. Wenn Erfahrung real, aber resistent gegen die Beschreibung aus der dritten Person ist, dann muss jedes vollständige Bild der Natur sie irgendwie berücksichtigen. Wenn hingegen das Bewusstsein als Illusion oder bloßer Nebenprodukt behandelt wird, dann beginnt der Standpunkt, von dem aus die Wissenschaft spricht, instabil zu erscheinen. Die alten philosophischen Materialien haben sich nun zu einer neuen Frage zusammengeschlossen: Was ist die Beziehung zwischen der physischen Welt, die von der Wissenschaft beschrieben wird, und dem inneren Licht, durch das sie bekannt ist? Das ist die Schwelle, auf der die moderne Philosophie des Geistes zu stehen beginnt.
