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5 min readChapter 3Europe

Das System

Berkeleys Philosophie wird oft durch ihre Negationen erinnert, doch diese Negationen gehören zu einer konstruktiven Architektur. Er wollte die Welt nicht als einen Haufen privater Eindrücke hinterlassen. Er wollte zeigen, wie Wahrnehmung, Wissenschaft, Sprache und Theologie zusammenpassen, sobald die Materie aus der Rechnung entfernt wird. Das Ergebnis ist eines der elegantesten Systeme der frühmodernen Philosophie und zugleich eines der anspruchsvollsten.

Die erste Säule ist sein Angriff auf abstrakte Ideen, entwickelt in den Principles und früher in An Essay towards a New Theory of Vision (1709). Berkeley argumentiert, dass der Geist nicht die Art von allgemeinem Bild besitzen kann, die Philosophen annehmen. Wir stellen uns zum Beispiel kein Dreieck vor, das weder gleichseitig noch gleichschenklig noch unregelmäßig ist, obwohl wir allgemein von Dreiecken denken können, indem wir ein bestimmtes Bild als Zeichen verwenden. Dies mag wie ein technischer Punkt erscheinen, hat jedoch weitreichende Konsequenzen. Viele Philosophen hatten Abstraktion verwendet, um die Lücke zwischen bestimmten Wahrnehmungen und universellem Wissen zu überbrücken. Berkeley leugnet die Brücke und besteht darauf, dass Universalität aus Sprache und Gebrauch kommt, nicht aus gespenstischen Bildern allgemeiner Entitäten.

Die zweite Säule ist die Rolle der Geister. Berkeley ist kein Idealist im späteren Sinne, der alles auf das Bewusstsein reduzieren würde. Er unterscheidet zwischen Ideen, die passiv und wahrgenommen sind, und Geistern, die aktiv und wahrnehmend sind. Wir kennen unsere eigene Existenz als Akteure unmittelbarer als wir irgendeine materielle Substanz kennen. Ich nehme mich nicht so wahr, wie ich eine Farbe oder einen Klang wahrnehme; ich erfasse mich als das Subjekt, das wahrnimmt und will. Diese Unterscheidung verleiht Berkeley eine Metaphysik, in der der Geist fundamentaler ist als die Materie, ohne das Selbst in eine andere Idee zu zerfallen.

Die dritte Säule ist Gott. Endliche Geister, wie Menschen, schaffen die sinnliche Welt nicht nach Belieben. Stattdessen wird die regelmäßige Abfolge von Ideen durch göttliche Ordnung geregelt. Berkeley beschreibt die Natur als ein System von Zeichen. Wenn Feuer von Wärme gefolgt wird oder wenn bestimmte visuelle Muster taktile Erwartungen begleiten, geschieht dies nicht, weil Materie heimlich Kausalität durch inerte Räume überträgt. Es geschieht, weil Gott eine stabile Sprache etabliert hat, durch die sinnliche Ideen koordiniert werden. Dies ist eine bemerkenswerte Umkehrung des Standardbildes. Was die Wissenschaft untersucht, ist nach Berkeleys Auffassung nicht die Bewegungen der Materie, sondern die verlässliche Grammatik göttlicher Kommunikation.

Man kann das System in seiner Behandlung der Vision erkennen. Distanz wird nicht direkt gesehen; sie wird aus der Assoziation von Sehen mit Tasten und Bewegung abgeleitet. Das Kind beginnt nicht mit dem transparenten Zugang eines Erwachsenen zu Raum. Vielmehr wird die Welt durch erlernte Verbindungen zwischen den Sinnesmodalitäten lesbar. Berkeley verwandelt die Wahrnehmung in eine Bildung in Zeichen. Das ist ein Grund, warum seine Philosophie in der Psychologie und Kognitionswissenschaft weiterhin wichtig geblieben ist: Er erkannte lange vor späteren Theoretikern, dass Wahrnehmung konstruktive Interpretation und nicht nur rohe Registrierung beinhaltet.

Eine zweite ausgearbeitete Illustration findet sich in seinem Bericht über die Naturphilosophie. Berkeley leugnet nicht die Nützlichkeit von Gesetzen. Er bewundert die Präzision der newtonschen Untersuchung. Aber er lehnt die Tendenz ab, Gesetze in verborgene materielle Mechanismen zu reifizieren. Der Wissenschaftler, richtig verstanden, verfolgt Regelmäßigkeiten, die Vorhersage und Handeln ermöglichen. Er entdeckt damit nicht eine metaphysische Substanz unter den Erscheinungen. Dies ist eine subtile und kraftvolle Idee. Sie bewahrt die Autorität der Wissenschaft, während sie leugnet, dass die Wissenschaft das Konzept der Materie als endgültige Erklärung benötigt.

Die tiefste Überraschung des Systems liegt in seinem moralischen Ton. Für viele Leser klingt Berkeley wie ein Anti-Realist, der die Welt als vom Geist gemacht betrachtet. Doch für ihn ist die Welt nicht weniger real, sondern lesbarer, weil sie das Produkt von Intelligenz und nicht von blindem Stoff ist. Der Baum im Garten ist keine Illusion; er ist eine göttlich geordnete Idee. Die Solidität des Bodens unter den Füßen ist keine geheime materielle Essenz; sie ist eine verlässliche Struktur in der Erfahrung. In diesem Sinne lässt Berkeley die Welt nicht verdampfen. Er personalisiert sie neu.

Dennoch hat das System seinen Preis. Wenn die Materie entfernt wird, muss die Unabhängigkeit der Welt auf andere Weise gesichert werden. Berkeley antwortet mit göttlicher Wahrnehmung, aber dies verschiebt die Last, anstatt sie aufzulösen. Die Möbel des Universums hängen nun von einem allgegenwärtigen Geist ab. Das ist philosophisch gewagt, birgt jedoch das Risiko, die Realität als prekär an die Theologie gebunden erscheinen zu lassen. Berkeley akzeptiert das Risiko, weil er denkt, dass die Alternative — stumme Materie plus skeptische Unsicherheit — schlimmer ist.

Eine weitere Spannung betrifft die Sprache. Wenn die gewöhnliche Sprache über Objekte intakt bleiben soll, muss Berkeley zeigen, dass wir auch heute und morgen noch vom selben Tisch sprechen können, trotz sich ändernder Wahrnehmungen. Seine Antwort ist pragmatisch und relational: Identität in sinnlichen Dingen ist eine Frage der Kohärenz und Kontinuität in der göttlichen Ordnung, nicht des Substrats. Dies funktioniert in vielen Fällen kraftvoll, lädt jedoch zu weiteren Fragen über Persistenz, Gedächtnis und gemeinsame öffentliche Welten ein.

Als das System vollständig ist, hat Berkeley etwas Ungewöhnliches getan. Er hat versucht, die empirische Wissenschaft, das gemeinsame Leben und den religiösen Glauben zu bewahren, indem er das ontologische Element entfernt hat, das alle drei schwerer zu rechtfertigen scheint. Die Welt wird zu einem Theater von Zeichen statt zu einem Lagerhaus von Materie. Doch ein so elegantes System ist auch scharfen Einwänden ausgesetzt. Die nächste Frage ist, ob Berkeleys Architektur den Kontakt mit dem stärksten Widerstand überstehen kann, den sie provoziert hat.