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DualismusDie Welt, die es erschuf
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5 min readChapter 1Europe

Die Welt, die es erschuf

Im siebzehnten Jahrhundert hatte Europa zwei mächtige, aber unbehagliche Bilder des Menschen geerbt. Das eine war scholastisch und aristotelisch: die Seele als die Form des lebenden Körpers, untrennbar von dem Organismus, den sie belebt. Das andere war neu mechanisch: Körper als ausgedehnte Dinge, die von mathematisch beschreibbaren Gesetzen regiert werden, wie Uhren, Pumpen und fallenden Steinen. Diese Bilder waren nicht nur theoretische Rivalen. Sie gehörten zu unterschiedlichen intellektuellen Welten und machten unterschiedliche Versprechungen darüber, was ein Mensch ist, was gewusst werden kann und wo die Würde ihren Platz hat.

Das mechanische Bild gewann an Kraft durch die Erfolge der neuen Wissenschaften. Die galileische Bewegung, Keplers himmlische Regelmäßigkeiten, Harveys Blutkreislauf und der Aufstieg der experimentellen Anatomie machten es zunehmend plausibel, dass der Körper verstanden werden könnte, ohne verborgene Formen oder letzte Ursachen heranzuziehen. Doch je erfolgreicher die Natur als Materie in Bewegung erklärt wurde, desto dringlicher wurde die Frage nach dem Geist. Wenn ein Körper kartiert, gewogen, seziert und berechnet werden kann, wo passen dann Sehen, Zweifeln, Erinnern, Wollen und Hoffen hinein? Ein menschliches Leben schien etwas zu beinhalten, das niemals unter dem Skalpell erschien.

Diese Frage wurde auch durch religiöse Verpflichtungen verschärft. Das Christentum hatte die Seele lange als moralisch und metaphysisch unterscheidbar behandelt, verantwortlich vor Gott und in vielen Traditionen fähig, den körperlichen Tod zu überleben. Doch mit dem Fortschritt der Naturphilosophie wurde die alte Sprache der Seele in zwei Richtungen gezogen: zur Theologie auf der einen Seite und zur Physiologie auf der anderen. Das Ergebnis war eine Spannung. Wenn der Körper nur Mechanismus ist, wie kann dann Freiheit bestehen? Wenn die Seele eine Art Ding ist, wie kann sie handeln, ohne eine andere Maschine zu werden?

René Descartes trat in diese Welt nicht als marginaler Träumer ein, sondern als einer der genauesten Methodologen seiner Zeit. Er hatte sich bereits darauf trainiert, geerbte Meinungen zu misstrauen, und in der Discours de la méthode von 1637 und den Méditations von 1641 setzte er sich zum Ziel, das zu finden, was nicht bezweifelt werden konnte. Sein Projekt war nicht aus dem Wunsch geboren, den Menschen in zwei Teile zu spalten. Es war aus der Hoffnung geboren, dass die neuen Wissenschaften auf festeren Grundlagen ruhen könnten als die alten Mischungen aus Theologie, Physiologie und Metaphysik. Doch der Preis für dieses Fundament war hoch: Sobald der Körper zu ausgedehnter Substanz wurde und das Selbst zu denkender Substanz, begann die alte Einheit der Person zu fransen.

Im Hintergrund standen Descartes’ Vorgänger und Rivalen. Die aristotelische Tradition, die an den Universitäten weiterhin Einfluss hatte, behandelte Geist und Körper als einen einzigen lebenden Kompositum und nicht als zwei unabhängige Entitäten. Die Atomisten und Materialisten hingegen neigten zur entgegengesetzten Versuchung: den Gedanken als ein verfeinertes Produkt der Materie zu erklären. Descartes fand beide Optionen unzureichend. Die erste, so dachte er, verwischte die radikale Gewissheit des inneren Bewusstseins; die zweite konnte die Unmittelbarkeit des Denkens selbst nicht erklären.

Es gibt ein berühmtes Drama in der Geschichte des Dualismus, aber es beginnt hier in einer ruhigeren Form: mit einer methodologischen Forderung. Descartes wollte einen unbezweifelbaren Punkt, von dem aus Wissen beginnen konnte. Der Körper konnte bezweifelt werden. Die Welt konnte bezweifelt werden. Sogar die Mathematik, in der extravaganten Möglichkeit eines täuschenden Genies, konnte ausgeklammert werden. Aber der Akt des Zweifelns selbst zeugte davon, dass Denken stattfand. Die Frage war, was für ein Ding diesen Akt hatte und ob es dasselbe Ding sein konnte, das Raum einnimmt, Teile hat und mechanischen Gesetzen gehorcht.

Ein historisches Detail macht die Szenerie lebendig. Descartes’ Méditations wurden nicht als ein Abhandlung abstrakter Gelehrsamkeit allein geschrieben; sie waren als eine Reihe von Übungen konzipiert, die den Leser zu einer neuen Gewissheit drängten. Der Geist ist in diesem Kontext nicht zuerst ein Konzept und erst später ein Problem. Er ist der Ort, an dem das gesamte moderne Bild des Wissens entweder gelingt oder zusammenbricht. Wenn das denkende Selbst vom Körper isoliert werden kann, dann überlebt vielleicht die Gewissheit. Wenn nicht, wird der Traum einer sicheren Wissenschaft schwerer aufrechtzuerhalten.

Doch selbst in diesem Stadium war die Idee, dass Geist und Körper unterschiedlich sind, mehr als eine metaphysische These. Es war eine Wette darüber, was die menschliche Person im Grunde genommen ist. Ist eine Person ein organisiertes Tier mit einem hochkomplexen Nervensystem oder ein Subjekt, das lediglich ein solches System bewohnt? Diese Spannung, zuerst in der Sprache von Methode und Gewissheit formuliert, würde schließlich in die Medizin, Theologie, Ethik und Politik ausstrahlen.

Eine zweite Veranschaulichung zeigt, warum das Thema dringend erschien. Betrachten Sie die Automaten, die in fürstlichen Gärten und Wunderkammern ausgestellt wurden: mechanische Vögel, sich bewegende Statuen, Brunnen, die zu atmen schienen. Sie erfreuten die Beobachter gerade deshalb, weil sie die Grenze zwischen Leben und Mechanismus verwischten. Wenn menschliche Körper selbst komplizierte Automaten waren, dann war nicht offensichtlich, was uns von diesen Geräten trennte. Der Dualismus bot eine scharfe Antwort: Der Körper mag das Leben imitieren, aber der Geist besteht nicht aus Zahnrädern. Das Problem war, dass eine solche Antwort, einmal ausgesprochen, eine vollständige Erklärung verlangte, wie die beiden Bereiche miteinander in Beziehung stehen.

Und hier wendet sich die Geschichte. Das siebzehnte Jahrhundert erzeugte nicht nur eine Unterscheidung zwischen Geist und Körper; es zwang diese Unterscheidung, philosophisch explizit zu werden. Die nächste Aufgabe war zu sagen, was für ein Ding der Geist ist, wenn er nicht körperlich ist, und was für ein Ding der Körper ist, wenn er nicht denken kann. Der Dualismus beginnt in der Unruhe dieser Frage, und seine zentrale Idee entsteht als die kühnste verfügbare Antwort.