Existentialer Humanismus
Der existenzielle Humanismus beginnt mit einem Verlust: Wenn kein Gott unser Wesen im Voraus schreibt, wird jede Person zum Autor — und jede Wahl schreibt nicht nur ein Selbst, sondern auch ein Bild der Menschheit selbst.

Quick Facts
- Period
- 1901 – 2000
- Region
- Europe
- Key Figures
- Friedrich Nietzsche, Gabriel Marcel, Jean-Paul Sartre +3 more
Key Figures
Friedrich Nietzsche
Interlocutor
Nineteenth-century critique of moralityNietzsche ist eine der entscheidenden Ahnenstimmen hinter Camus’ absurdem Helden, nicht weil Camus ihn lediglich wiederh...
Gabriel Marcel
Critic/Interlocutor
Christian existentialismGabriel Marcel steht als einer der wichtigsten christlichen Herausforderer des säkularen Existentialismus, doch er war n...
Jean-Paul Sartre
Originator/Proponent
French phenomenology and postwar existentialismJean-Paul Sartre war für den absurden Helden sowohl ein naher Verbündeter als auch ein scharfer Kontrast, doch seine Bed...
Martin Heidegger
Interlocutor
German phenomenology and fundamental ontologyMartin Heidegger ist eine der verstörendsten philosophischen Figuren des zwanzigsten Jahrhunderts, weil er nicht nur fra...
Maurice Merleau-Ponty
Critic/Developer
French phenomenologyMaurice Merleau-Ponty war der Philosoph, der die Verkörperung unvermeidlich machte, jedoch tat er dies weniger als Feier...
Simon de Beauvoir
Proponent/Developer
French existentialism and feminist philosophySimone de Beauvoirs Platz in der intellektuellen Geschichte des Absurden wird oft in philosophischen Begriffen beschrieb...
The Story
This narrative combines documented history with dramatized scenes for storytelling purposes.
Die Welt, die es erschuf
Der existenzielle Humanismus begann nicht als eine gelassene Doktrin. Er wurde in einem Europa geschmiedet, in dem die vererbten Gewissheiten durch Krieg, Besat...
Die zentrale Idee
Der Kern des existenziellen Humanismus wird oft in einem Satz zusammengefasst, der in Diskussionen über Sartre nahezu kanonisch geworden ist: Existenz geht der ...
Das System
Um den existenziellen Humanismus in seinem vollen Umfang zu verstehen, muss man erkennen, dass er nicht nur eine Theorie isolierter Entscheidungen ist. Er ist e...
Spannungen & Kritiken
Die erste ernsthafte Spannung innerhalb des existenziellen Humanismus besteht darin, dass er die Freiheit so weit aufblasen könnte, dass sie an Glaubwürdigkeit ...
Vermächtnis & Echos
Der existenzielle Humanismus blieb nicht auf Sartres Hörsaal oder die französische Nachkriegsszene beschränkt. Er verbreitete sich, weil er auf ungewöhnlich ein...
Timeline
Geburt von Jean-Paul Sartre
**1905** — Sartre wurde 1905 in Paris geboren. Seine spätere Philosophie würde aus einer französischen intellektuellen Kultur hervorgehen, die bereits von säkularem Republikanismus, Phänomenologie und der Krise der modernen Autorität geprägt war.
Veröffentlichung von Sein und Nichts
**1943** — Sartres Hauptwerk zur Ontologie gab dem Existentialismus seine philosophische Architektur: Bewusstsein als Nichts, schlechte Glauben, Faktizität und Freiheit. Es lieferte die konzeptionelle Grundlage, die später den existenzialen Humanismus verständlich machte.
Vorlesung: Existentialismus ist ein Humanismus
**1945-10-29** — Sartre hielt die Rede in Paris und stellte den Existentialismus öffentlich als einen Humanismus dar, der auf Verantwortung zentriert ist. Der Vortrag wurde zu einem kulturellen Ereignis, da er der Anschuldigung begegnete, der Existentialismus sei nihilistisch.
Veröffentlichung von Der Existentialismus ist ein Humanismus
**1946** — Der Vortrag wurde veröffentlicht und weit gelesen, wodurch der Begriff 'existentialer Humanismus' im philosophischen Vokabular der Nachkriegszeit verankert wurde. Seine zugängliche Form trug dazu bei, Sartres Ideen über die akademische Philosophie hinaus zu verbreiten.
Veröffentlichung von Das andere Geschlecht
**1949** — Simone de Beauvoir erweiterte die existenzialistische Analyse auf die historische Konstruktion der Frau als das Andere. Ihr Werk erweiterte den existenzialistischen Humanismus, indem es zeigte, wie Freiheit durch geschlechtsspezifische Strukturen geprägt ist.
Nachkriegsdebatte über Humanismus und Atheismus
**1945-1947** — Sartres Vortrag provozierte Reaktionen von christlichen Existentialisten, Marxisten und Phänomenologen. Die Debatten klärten die zentrale Spannung der Bewegung: ob Würde Transzendenz erfordert oder allein in der Verantwortung verankert sein kann.
Merleau-Pontys Kritik an der sartre'schen Freiheit
**1948** — Merleau-Ponty plädierte für eine verkörperte, situierte Freiheit gegen jede Lesart von Sartre, die zu souverän oder voluntaristisch klang. Die Meinungsverschiedenheit stellte eine wichtige interne Verfeinerung des existenzialistischen Humanismus dar.
Sartre und antikoloniale Politik
**1952** — Sartre verband zunehmend die existenzielle Verantwortung mit dem antikolonialen Kampf und politischem Engagement. Dies erweiterte den existenziellen Humanismus von der persönlichen Ethik zu einer Kritik oppressiver historischer Strukturen.
Veröffentlichung der Kritik der dialektischen Vernunft
**1960** — Sartre versuchte, individuelle Freiheit mit kollektiver Geschichte und sozialer Organisation zu verbinden. Das Werk zeigt, wie der existenzialistische Humanismus an seine eigenen Grenzen stößt und eine angemessenere Theorie von Institutionen und Gruppen sucht.
Feministische und poststrukturalistische Neuinterpretationen
**1970s** — Denker, die von de Beauvoir und vom Existentialismus im weiteren Sinne beeinflusst wurden, rekontextualisieren Freiheit in Bezug auf Geschlecht, Sprache und Macht. Existentialer Humanismus wurde weniger zu einer festen Doktrin als zu einer Reihe von anwendbaren Fragen.
Tod von Jean-Paul Sartre
**1980** — Sartres Tod markierte das Ende der Gründungsgeneration der Bewegung. Dennoch blieben die Fragen, die er zu Verantwortung, Wahl und menschlicher Universalität aufwarf, in der Philosophie und im öffentlichen Leben aktiv.
Fortdauerndes Erbe in der Ethik, Therapie und politischen Gedanken
**2000s** — Der existenzielle Humanismus beeinflusste weiterhin die Debatten über Autonomie, Authentizität und Verantwortlichkeit unter Bedingungen sozialer Zwänge. Sein Vokabular überlebt überall dort, wo Menschen fragen, was von der menschlichen Verantwortung nach dem Zusammenbruch der Absoluten bleibt.
Sources
- primary_textJean-Paul Sartre, Existentialism Is a Humanism, trans. Carol Macomber (Yale University Press, 2007)
Standard English translation of Sartre’s 1945 lecture.
- primary_textJean-Paul Sartre, Being and Nothingness, trans. Hazel E. Barnes (Washington Square Press, 1992)
Core philosophical text for Sartre’s ontology of freedom, bad faith, and facticity.
- reference_articleStanford Encyclopedia of Philosophy: Jean-Paul Sartre
Reliable overview of Sartre’s philosophy and its main debates.
- reference_articleStanford Encyclopedia of Philosophy: Existentialism
Context for existentialism as a broader movement.
- reference_articleInternet Encyclopedia of Philosophy: Jean-Paul Sartre
Accessible scholarly overview of Sartre’s existentialism.
- primary_textSimone de Beauvoir, The Second Sex, trans. Constance Borde and Sheila Malovany-Chevallier (Vintage, 2011)
Essential for the feminist development of existential humanism.
- primary_textMaurice Merleau-Ponty, Phenomenology of Perception, trans. Colin Smith (Routledge, 2012)
Key critique and development of situated, embodied subjectivity.
- primary_textGabriel Marcel, Being and Having, trans. Katherine Farrer (Harper, 1965)
Important Christian existentialist alternative to Sartrean humanism.
- scholarly_bookJonathan Webber, The Existentialism of Jean-Paul Sartre (Routledge, 2009)
Clear scholarly account of Sartre’s existentialism and its structure.
- scholarly_bookDebra Bergoffen, The Philosophy of Simone de Beauvoir: Gendered Phenomenologies, Erotic Generosities (SUNY Press, 1997)
Useful for the existentialist-feminist extension of the tradition.
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