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5 min readChapter 3Europe

Das System

Sobald das Problem des Bösen formuliert ist, wird die Geschichte der Religionsphilosophie teilweise zu einer Geschichte der Reparaturen. Jede ernsthafte Verteidigung versucht, drei Ansprüche gleichzeitig zu bewahren: Gott ist omnipotent, Gott ist vollkommen gut, und das Böse existiert. Das Problem besteht darin, dass keine einzelne Reparatur jeden Riss abdeckt. Jede Antwort hilft in einem Bereich, während sie einen anderen ungeschützt lässt.

Augustins System beginnt mit der Schöpfung. In den Confessiones und später in Werken wie De natura boni betont er, dass alles, was Gott schafft, gut ist, insofern es existiert. Das Böse kann daher keine positive Substanz sein. Es ist ein Defekt, eine Privation der gebührenden Ordnung. Moralisches Böse tritt durch ungeordnete Willensakte ein: Geschöpfe lieben geringere Güter, als wären sie das Höchste. Das berühmte lateinische Vokabular ist hier von Bedeutung: Das Böse ist keine Essenz, sondern eine privatio boni. Diese Formulierung war eine der haltbarsten in der Tradition, weil sie es Gott ermöglicht, der Urheber des Seins zu bleiben, ohne der Urheber der Korruption zu werden.

Das hat zwei Konsequenzen. Erstens verschiebt sich die Last auf die Freiheit. Wenn rationale Geschöpfe sich vom höchsten Gut abwenden können, dann liegt die Verantwortung bei ihnen. Zweitens wird das Problem des natürlichen Bösen schwieriger, da Stürme und Krankheiten nicht offensichtlich Willensakte sind. Augustin verbindet das Unordnung in der Welt mit dem Fall, einem kosmischen Bruch, in dem menschliche Ungehorsam die Bedingung der Schöpfung selbst beeinflusst. Ob man diese Geschichte nun wörtlich oder symbolisch akzeptiert, ihr philosophischer Punkt ist klar: Das Böse ist parasitär, nicht originär.

Die mittelalterliche Scholastik gab der Frage eine systematischere Architektur. Thomas von Aquin, insbesondere in der Summa Theologiae, argumentiert, dass Gott das Böse erlaubt, um größere Güter herbeizuführen, einschließlich der Ordnung des Universums und der Manifestation von Gerechtigkeit und Barmherzigkeit. Hier ist der Schlüsselbegriff permissio: Gott will das Böse nicht direkt als Böses, sondern erlaubt es innerhalb eines providentiellen Ganzen. Aquin besteht auch darauf, dass Gottes Kausalität sich von der geschöpflichen Kausalität unterscheidet. Dies verhindert ein grobes Bild, in dem göttliches Handeln mit menschlichem Handeln konkurriert, als wären sie zwei Kräfte in derselben Arena.

Die Verteidigung des freien Willens wurde später der berühmteste moderne Nachkomme dieser Tradition. Nach der gängigen Lesart, wenn Gott Wesen mit echtem Freiheit schuf, dann könnte eine Welt, die die Möglichkeit moralischen Bösen enthält, besser sein als eine der mechanischen Unschuld. Ein frei liebendes Geschöpf ist kein Marionette. Der Preis dieser Würde ist Risiko. Diese Antwort hat enorme intuitive Kraft, weil sie sowohl menschliche Verantwortung als auch göttliche Güte bewahrt. Sie erklärt auch, warum einige Übel nicht das Ergebnis göttlicher Vernachlässigung, sondern geschöpflicher Handlungsfähigkeit sind.

Zwei Beispiele verdeutlichen den Punkt. Eines ist die moralische Katastrophe des Krieges: Gräueltaten werden nicht durch Naturgesetze erzwungen, sondern von Personen, Institutionen und Ideologien gewählt. Ein anderes ist die gewöhnliche Grausamkeit des kleineren Lebens: die Lüge, die zum Schutz des Stolzes erzählt wird, die Demütigung, die beiläufig zugefügt wird, die Gier, die sich in Hunger ausbreitet. In solchen Fällen sagt die Verteidigung des freien Willens, dass Gott das Unrecht nicht veranlasst; das Unrecht ist der Missbrauch eines echten Guten.

Aber die Tradition hörte nicht bei der Freiheit auf. Eine andere Linie, die besonders mit Irenäus und späteren modernen Lesarten verbunden ist, betont die Seelenbildung. Die Welt ist kein vollendetes Paradies, sondern ein Ort der Formung. Mut, Geduld, Mitgefühl und Barmherzigkeit erfordern Widerstand. Ohne Gefahr gibt es keinen Mut; ohne Leiden gibt es keinen Trost; ohne Einschränkung gibt es kein moralisches Wachstum. John Hicks Wiederbelebung dieser Sichtweise im zwanzigsten Jahrhundert ist die klarste moderne Aussage: ein Tal der Seelenbildung statt eines Gartens müheloser Unschuld.

Dieser Vorschlag hat eine überraschende Konsequenz. Das Böse ist nicht nur ein Hindernis für das Gute; in mancher Hinsicht wird es zur Bedingung für bestimmte Arten von Gutem. Das Durchhaltevermögen des Märtyrers, das Mitgefühl des Heilers, die Solidarität der Gemeinschaft nach einer Katastrophe – das sind keine billigen Gewinne. Sie sind Güter, die nur in einer Welt entstehen, in der Verwundbarkeit real ist. Die Verteidigung verherrlicht nicht den Schmerz, aber sie leugnet, dass eine schmerzfreie Welt automatisch eine bessere wäre.

Dennoch erfordert das System Unterscheidungen, wenn es Bestand haben soll. Man muss Gottes Erlaubnis von direkter Kausalität, moralisches Böse von natürlichem Böse und den endlichen Standpunkt von der göttlichen Ökonomie trennen. Man muss auch der Versuchung widerstehen, jedes Leiden als instrumentell gerechtfertigt zu betrachten auf Weisen, die wir erkennen können. Die Tradition besteht oft darauf, dass verborgene Vorsehung nicht dasselbe ist wie offensichtliche Erklärung.

Ein weiteres praktisches Beispiel zeigt das System in seinem weitesten Umfang. Betrachten Sie eine tragische Krankheit, die keine sichtbare Tugend hervorbringt, sondern in Angst und Erschöpfung endet. Die Seelenbildungsverteidigung kann hier am schwächsten erscheinen. Aber die breitere theodizeische Tradition wird sagen, dass nicht jedes Gute im Charakter des Leidenden lokalisiert werden muss. Güter können sozial, relational oder eschatologisch sein. Eine Gemeinschaft kann Fürsorge lernen; eine moralische Welt kann Freiheit bewahren; ein endliches Leben kann unvollendet bleiben, bis es von einem größeren Horizont beurteilt wird. Hier beginnt die Theologie, nicht bloße Argumentation, echte Arbeit zu leisten.

Das Auffälligste an dem System ist, dass es Erklärungen vervielfacht, ohne das Geheimnis vollständig zu beseitigen. Die Welt wird in Teilen verständlich, aber niemals ganz transparent. Das ist genau das, was Kritik einlädt, denn je größer der erklärende Umfang, desto mehr muss man fragen, was unerklärt bleibt.