Simone de Beauvoir
Simone de Beauvoir machte eine verheerend einfache Behauptung: Weiblichkeit ist kein natürliches Schicksal, sondern eine historische Bedingung. Aus dieser Behauptung heraus rekonstruierte sie das Terrain von Freiheit, Verkörperung, Liebe, Arbeit und Unterdrückung.

Quick Facts
- Period
- 1908 – 1986
- Region
- Europe
- Key Figures
- Frantz Fanon, Jean-Paul Sartre, Judith Butler +2 more
Key Figures
Frantz Fanon
Interlocutor
Anti-colonial theoryFrantz Fanon ist einer dieser seltenen Denker, deren Leben und Werk sich nicht sauber trennen lassen, ohne den Kern zu v...
Jean-Paul Sartre
Interlocutor
French existentialismJean-Paul Sartre war für den absurden Helden sowohl ein naher Verbündeter als auch ein scharfer Kontrast, doch seine Bed...
Judith Butler
Successor
Contemporary feminist theoryJudith Butler ist eine der einflussreichsten und auch am häufigsten karikierten Philosophinnen der feministischen Theori...
Maurice Merleau-Ponty
Interlocutor
PhenomenologyMaurice Merleau-Ponty war der Philosoph, der die Verkörperung unvermeidlich machte, jedoch tat er dies weniger als Feier...
Simon de Beauvoir
Originator
French existentialism; feminist philosophySimone de Beauvoirs Platz in der intellektuellen Geschichte des Absurden wird oft in philosophischen Begriffen beschrieb...
The Story
This narrative combines documented history with dramatized scenes for storytelling purposes.
Die Welt, die es erschuf
Simone de Beauvoir begann zu schreiben in einem Frankreich, das sich bereits gelehrt hatte, die universelle Vernunft zu bewundern, während es gleichzeitig das L...
Die zentrale Idee
Der berühmte Satz aus *Das andere Geschlecht*—„On ne naît pas femme: on le devient“—wird oft wiederholt, als wäre er ein Slogan. Er sollte besser als philosophi...
Das System
Beauvoirs zentrale Behauptung wäre weniger interessant, wenn sie lediglich eine Provokation wäre. Was ihr philosophisches Gewicht verleiht, ist das System von U...
Spannungen & Kritiken
Die erste wesentliche Einwendung gegen Beauvoir ist, dass sie scheinbar die Dualismen bewahrt, die sie zu überwinden sucht. Ihr Gegensatz zwischen Transzendenz ...
Vermächtnis & Echos
Das Erbe von Beauvoir beginnt mit der Tatsache, dass ihre bekannteste Behauptung das Buch, in dem sie enthalten war, überstieg. „Man wird nicht als Frau geboren...
Timeline
Geburt in Paris
**1908-01-09** — Simone de Beauvoir wird in eine bürgerliche katholische Familie in Paris geboren. Die soziale Welt ihrer Kindheit, mit ihren Erwartungen an Weiblichkeit und dem Rückgang des Familienvermögens, wird später Teil des Hintergrunds, vor dem sie über Abhängigkeit und Freiheit nachdenkt.
Bildung einer intellektuellen Partnerschaft
**1929** — Beauvoir besteht die Agrégation in Philosophie und tritt in den Kreis junger französischer Existentialisten, darunter Jean-Paul Sartre, ein. Diese Begegnung vermittelt ihr eine gemeinsame philosophische Sprache der Freiheit und der Situation, auch wenn sie ihre eigenen kritischen Anwendungen dafür entwickelt.
Die Ethik der Mehrdeutigkeit
**1943** — Beauvoir veröffentlicht *Die Ethik der Ambivalenz*, ihren bedeutenden philosophischen Aufsatz über Freiheit unter Bedingungen der Unsicherheit. Das Buch behandelt Themen, die später in feministischer Form wieder auftauchen werden: Verantwortung, schlechte Glaube und die fragile Realität der menschlichen Freiheit.
Veröffentlichung von Das andere Geschlecht
**1949** — Das andere Geschlecht erscheint und wird zu einem der einflussreichsten Bücher der Philosophie und des Feminismus des zwanzigsten Jahrhunderts. Seine Analyse der Frau als das Andere und die Behauptung, dass die Frau gemacht, nicht geboren wird, verändern die Debatten über Geschlecht, Gender, Arbeit und Verkörperung.
Die englischsprachige Übersetzung erweitert die Rezeption.
**1953** — Das andere Geschlecht wurde von H. M. Parshley ins Englische übersetzt und bringt Beauvoir in die anglophone Debatte, obwohl die Übersetzung weithin für Auslassungen und Verzerrungen kritisiert wird. Der Empfang des Buches zeigt, wie unterschiedlich die intellektuellen Kulturen den Schock ihres Arguments verstanden.
Der Weibliche Mystik tritt in die Debatte ein
**1963** — Betty Friedans *Der Weibliche Mythos* trägt dazu bei, Fragen über häusliche Eingeschlossenheit und weibliche Unzufriedenheit in den Vereinigten Staaten zu popularisieren. Obwohl es in mancher Hinsicht keine direkte Fortsetzung von Beauvoir ist, zeigt es das wachsende öffentliche Bewusstsein für die Probleme, die Beauvoir analysiert hatte.
Die französische Frauenbefreiungsbewegung intensiviert sich
**1970** — Die feministischen Politiken der 1970er Jahre in Frankreich verleihen Beauvoirs Analysen neue Dringlichkeit in den Kämpfen um Arbeit, Sexualität und Reproduktion. Ihre Ideen werden Teil eines aktiven politischen Feldes und nicht nur einer philosophischen Kontroverse.
Das Erwachsenwerden erweitert ihre Gesellschaftskritik.
**1979** — Beauvoir veröffentlicht Das Alter, in dem sie ihre Methode auf die soziale Produktion des Alters ausdehnt. Das Buch bestätigt, dass ihr Anliegen stets größer war als nur das Geschlecht: Sie untersuchte, wie Gesellschaften Marginalität durch Normen von Wert und Sichtbarkeit herstellen.
Tod in Paris
**1986-04-14** — Beauvoir stirbt in Paris nach einem Leben, das sie zu einer der prägenden intellektuellen Figuren des modernen Frankreichs machte. Zu diesem Zeitpunkt war ihre Analyse der Weiblichkeit zu einem Maßstab für den Feminismus weit über den französischen Kontext hinaus geworden.
Englische Überarbeitung von Das andere Geschlecht
**1989** — Eine neue englische Übersetzung von Constance Borde und Sheila Malovany-Chevallier erscheint viel später und belebt die Debatte über Beauvoirs Sprache und Präzision. Die Überarbeitung unterstreicht, wie Übersetzung das philosophische Leben eines klassischen Textes verändern kann.
Gender Trouble rekonstruiert Beauvoirs Erbe
**1990** — Judith Butlers *Gender Trouble* trägt dazu bei, Beauvoir zu einer grundlegenden Referenz für die zeitgenössische Geschlechtertheorie zu machen, während sie gleichzeitig ihr Rahmenwerk überarbeitet. Die Behauptung, dass Geschlecht performativ ist, führt Beauvoir in eine neue theoretische Epoche.
Beauvoir bleibt zentral in feministischen und geschlechtertheoretischen Debatten.
**2018** — Bis zur späten Konsensbildung im einundzwanzigsten Jahrhundert bleibt Beauvoirs Frage lebendig in Debatten über Verkörperung, Transpolitik, Fürsorge, Arbeit und Intersektionalität. Ihr Satz über das Werden einer Frau organisiert weiterhin Meinungsverschiedenheiten, weil er ein Problem benennt, das noch nicht gelöst ist.
Sources
- primary_textSimone de Beauvoir, The Second Sex, trans. Constance Borde and Sheila Malovany-Chevallier (Vintage, 2011)
Standard modern English translation of Beauvoir’s landmark work.
- primary_textSimone de Beauvoir, The Second Sex, trans. H. M. Parshley (Knopf, 1953)
Historic English translation that shaped early Anglophone reception.
- primary_textSimone de Beauvoir, The Ethics of Ambiguity, trans. Bernard Frechtman (Citadel Press, 1976)
Key existential essay on freedom, responsibility, and situation.
- primary_textSimone de Beauvoir, Memoirs of a Dutiful Daughter, trans. James Kirkup (Putnam, 1959)
Autobiographical source for her formation and intellectual world.
- encyclopedia_entryStanford Encyclopedia of Philosophy: Simone de Beauvoir
Reliable overview of Beauvoir’s philosophy and its interpretation.
- encyclopedia_entryInternet Encyclopedia of Philosophy: Simone de Beauvoir
Accessible scholarly survey of Beauvoir’s life and thought.
- scholarly_bookToril Moi, Simone de Beauvoir: The Making of an Intellectual Woman (Oxford University Press, 2008)
Major study of Beauvoir’s intellectual development and method.
- scholarly_bookDebra B. Bergoffen, The Philosophy of Simone de Beauvoir: Gendered Phenomenologies, Erotic Generosities (SUNY Press, 1997)
Important philosophical interpretation of Beauvoir’s ethics and embodiment.
- scholarly_bookNancy Bauer, How to Do Things with Pornography (Harvard University Press, 2015)
Contains substantial engagement with Beauvoir and feminist philosophy.
- scholarly_bookJudith Butler, Gender Trouble: Feminism and the Subversion of Identity (Routledge, 1990)
Key successor text for understanding Beauvoir’s legacy in gender theory.
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