Strukturalismus
Strukturalismus war die gewagte Behauptung, dass Kultur kein loses Sammelsurium von Bedeutungen ist, sondern ein strukturiertes System, und dass wir, um Mythen, Verwandtschaft, Sprache oder Mode zu verstehen, die verborgene Grammatik unter der Oberfläche der Erfahrung lesen müssen.

Quick Facts
- Period
- 1901 – 2000
- Region
- Europe
- Key Figures
- Claude Lévi-Strauss, Ferdinand de Saussure, Jacques Derrida +3 more
Key Figures
Claude Lévi-Strauss
Proponent
Anthropology; Collège de FranceClaude Lévi-Strauss ist einer der großen späten Leser des edlen Wilden und zugleich einer seiner effektivsten Zerschläge...
Ferdinand de Saussure
Originator
Genevan linguistics; structural linguisticsFerdinand de Saussure steht in der Geschichte des Denkens als ein Mann, der die verborgene Architektur der Sprache entde...
Jacques Derrida
Critic/Successor
Deconstruction; French philosophyJacques Derrida war nicht einfach ein Philosoph, der die Metaphysik kritisierte; er war ein Denker, der das Wesen der Ge...
Jacques Lacan
Developer/Interlocutor
French psychoanalysisJacques Lacan lieferte Žižek eines der mächtigsten konzeptionellen Vokabulare der zeitgenössischen Kritischen Theorie: e...
Paul Ricoeur
Critic/Interpreter
Hermeneutics; French philosophyPaul Ricoeur steht als einer der intellektuell menschlichsten Vermittler in der Philosophie des zwanzigsten Jahrhunderts...
Roland Barthes
Proponent/Interpreter
French literary criticism and semiologyRoland Barthes gehört zum Poststrukturalismus, nicht weil er eine Doktrin verkündet hätte, sondern weil seine Kritik imm...
The Story
This narrative combines documented history with dramatized scenes for storytelling purposes.
Die Welt, die es erschuf
Der Strukturalismus begann nicht als Manifest, sondern vielmehr als ein Druck, der sich gleichzeitig in mehreren Bereichen aufbaute. Bis zur Mitte des zwanzigst...
Die zentrale Idee
Der zentrale Gedanke des Strukturalismus lässt sich einfach formulieren, obwohl seine Konsequenzen alles andere als einfach sind: Die menschliche Kultur ist dur...
Das System
Der Strukturalismus wurde zu einer Schule, weil seine Anhänger glaubten, dass die Einsicht verallgemeinert werden könnte, um die Geisteswissenschaften zu durchd...
Spannungen & Kritiken
Der Strukturalismus wurde aus verschiedenen Richtungen angegriffen, und nicht immer aus demselben Grund. Einige Kritiker hielten ihn für zu abstrakt; andere dac...
Vermächtnis & Echos
Die historische Schicksalsfügung des Strukturalismus ist merkwürdig. Als selbstbewusste Bewegung wurde er überholt; als Denkgewohnheit wurde er allgegenwärtig. ...
Timeline
Geburt von Ferdinand de Saussure
**1857** — Saussure wird in Genf geboren. Sein späteres sprachwissenschaftliches Werk wird das grundlegende Modell für den Strukturalismus liefern, indem es Sprache als ein System von Differenzen und nicht als eine Liste von Namen behandelt.
Veröffentlichung des Cours de linguistique générale
**1916** — Saussures Vorlesungen werden posthum veröffentlicht und versammeln die Konzepte von langue, parole und dem Zeichen. Das Buch wird zu einer der wichtigsten Quellen für das spätere strukturalistische Denken in Frankreich.
Geburt von Claude Lévi-Strauss
**1908** — Lévi-Strauss wird in Brüssel geboren. Er wird zum zentralen anthropologischen Vertreter des Strukturalismus und wendet linguistische Modelle auf Verwandtschaft und Mythos an.
Die elementaren Strukturen der Verwandtschaft
**1949** — Lévi-Strauss veröffentlicht seine Hauptstudie über Verwandtschaftsaustausch. Das Werk argumentiert, dass Heiratsregeln und Allianzen als formale Beziehungssysteme verstanden werden können, nicht nur als lokale Bräuche.
Barthes veröffentlicht Mythologien
**1957** — Roland Barthes wendet die strukturalistische Analyse auf die moderne Massenkultur an und behandelt Werbung, Sport und Waren als Zeichensysteme. Das Buch macht die strukturalistische Lesart einem breiteren Publikum verständlich.
Lévi-Strauss hält die Eröffnungsrede am Collège de France
**1960** — Seine Ernennung signalisiert den institutionellen Triumph der strukturalen Anthropologie in Frankreich. Sie markiert auch den Übergang der Bewegung von einer provokativen Methode zu einer anerkannten akademischen Autorität.
Lacans Écrits erscheinen und der Strukturalismus erreicht ein breiteres französisches Publikum.
**1966** — Jacques Lacans Écrits konsolidieren seine Überarbeitung von Freud in linguistischen Begriffen. Das Buch verstärkt das Gefühl, dass die Subjektivität selbst durch symbolische Beziehungen strukturiert sein könnte.
Derridas Kritik an der Johns Hopkins Universität
**1966** — Jacques Derrida präsentiert „Struktur, Zeichen und Spiel im Diskurs der Humanwissenschaften“ und stellt die Idee eines festen Zentrums in Strukturen in Frage. Die Vorlesung wird zu einem entscheidenden Wendepunkt im Übergang vom Strukturalismus zum Poststrukturalismus.
Barthes veröffentlicht S/Z
**1970** — Barthes analysiert Balzac durch Codes und textuelle Funktionen und demonstriert die Macht des strukturellen Lesens, während er gleichzeitig die Pluralität der Interpretation offenbart. Das Werk kündigt seinen Abkehr von einem starren Strukturalismus an.
Genettes narratologische Einfluss wird weitgehend konsolidiert.
**1983** — Bis Anfang der 1980er Jahre wurde die strukturalistische Analyse in die Narratologie und die Literaturtheorie über Frankreich hinaus integriert. Die formalen Werkzeuge der Bewegung bestehen fort, auch wenn ihre große theoretische Identität verblasst.
Tod von Claude Lévi-Strauss
**2009** — Lévi-Strauss stirbt im Alter von 100 Jahren. Sein langes Leben schließt symbolisch die Ära, in der der Strukturalismus das französische menschliche Denken als eine bedeutende intellektuelle Kraft prägte.
Strukturalismus bleibt ein Fundament der Geisteswissenschaften.
**2010** — Bis zum frühen einundzwanzigsten Jahrhundert ist der Strukturalismus keine dominante Schule mehr, doch seine grundlegende Einsicht über Zeichensysteme bleibt in der Wissenschaft verankert. Sein Erbe überlebt in der Linguistik, Anthropologie, Literaturtheorie und Kulturwissenschaft.
Sources
- primary_textFerdinand de Saussure, Course in General Linguistics
Standard English translation of the foundational linguistics text.
- primary_textClaude Lévi-Strauss, The Elementary Structures of Kinship
Foundational structural anthropology work.
- primary_textClaude Lévi-Strauss, Structural Anthropology
Key essays elaborating structural analysis in anthropology.
- primary_textRoland Barthes, Mythologies
Classic application of structural/semiological analysis to modern culture.
- primary_textRoland Barthes, S/Z
Important structural and post-structural reading of narrative.
- primary_textJacques Lacan, Écrits
Includes the influential claim that the unconscious is structured like a language.
- encyclopediaStanford Encyclopedia of Philosophy: Structuralism
Reliable overview of structuralism across disciplines.
- encyclopediaInternet Encyclopedia of Philosophy: Structuralism
Accessible scholarly survey.
- secondary_textJonathan Culler, Structuralist Poetics: Structuralism, Linguistics and the Study of Literature
Classic introduction to structuralist literary theory.
- secondary_textFrançois Dosse, History of Structuralism, Vols. 1–2
Major historical account of the movement in France.
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