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UrsprungsgeberLate Antique Latin ChristianityRoman North Africa

Augustine of Hippo

354 - 430

Augustinus ist einer der seltenen Philosophen, deren Denken nicht von einer Lebensgeschichte getrennt werden kann, ohne das zu verlieren, was das Denken verständlich macht. Er beginnt als begabter Schüler der Rhetorik, geprägt von den Künsten der Überzeugung in einer römischen Welt, die Eloquenz, Rang und öffentliche Leistungen schätzte. Er endet als Bischof von Hippo, der eine Vision von Gnade, Wille und innerer Wahrheit verteidigt, die das lateinische Christentum über Jahrhunderte prägen würde. Doch das wahre Drama liegt zwischen diesen Polen: ein Mann, der das Prestige intellektueller Meisterschaft kannte und auch mit zunehmender Kraft erkannte, dass die Herrschaft über andere nicht die Herrschaft über sich selbst bedeutet.

Seine zentrale Frage ist einfach zu formulieren und schwer zu beantworten: Warum widersteht der menschliche Wille dem Guten, das er erkennt? Augustinus' Genie bestand darin, diese Frage zum Zentrum der Philosophie zu machen, ohne sie auf abstrakte Psychologie zu reduzieren. In den Confessiones verwandelt er Erinnerung, Verlangen, Scham, Freundschaft und Bekehrung in philosophisches Material. In De libero arbitrio und den anti-pelagianischen Schriften argumentiert er, dass moralische Verantwortung real ist, auch wenn die Menschen verwundet sind und sich nicht aus eigener Kraft heilen können. In De civitate Dei gibt er der Geschichte eine moralische Geographie, die durch Liebe und nicht nur durch Macht organisiert ist.

Was ihn intellektuell beständig macht, ist nicht, dass er jede Spannung auflöst, sondern dass er sieht, wo die Spannungen am tiefsten sind. Er weiß, dass Innerlichkeit zur Selbsttäuschung werden kann, dass Freiheit zur Knechtschaft werden kann, dass Politik notwendig sein kann, ohne erlösend zu sein. Er weiß auch, dass das Ich sozial ist, bevor es einsam ist. Die Szene der gestohlenen Birnen, der Bericht über Monica, der lange Kampf mit dem Manichäismus und die Gartenbekehrung offenbaren einen Denker, der philosophische Doktrin aus erinnerter Lebenswirklichkeit gemacht hat.

Augustinus ist auch in aufschlussreicher Weise widersprüchlich. Er kann radikal innerlich klingen und dennoch auf die Abhängigkeit von göttlicher Gnade bestehen; er kann moralische Ernsthaftigkeit betonen und dennoch Hilflosigkeit gestehen; er kann geschaffene Güter loben und gleichzeitig vor ihrer Idolisierung warnen. Diese Spannungen sind keine Mängel, die beseitigt werden müssen. Sie sind die Struktur seiner Einsicht. Er bleibt fesselnd, weil er sich nicht leicht domestizieren lässt: Theologen, Psychologen, Romanautoren und politische Denker finden in ihm alle etwas, das sie brauchen, und etwas, das sich ihnen widersetzt.

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